Citymaut: Alte Stadt trifft auf Zukunft

Ob zur Verkehrsberuhigung oder für den Klimaschutz – Mautsysteme werden für Städte immer wichtiger. Mit einer wegweisenden Lösung hat EFKON nun den norwegischen Markt erobert. Die flexibel einsetzbare Mautbox integriert sich harmonisch ins Stadtbild.
Heimo Haub
Head of Sales, Marketing & Business Development, EFKON. ©EFKON

Wer auf dem malerischen Fischmarkt in Bergen entlangschlendert, bekommt viel zu sehen. Händler, die frische Langusten und Austern anbieten. Segelschiffe, die im Hafen vor Anker liegen. Und über 1.000 Jahre alte Holzgebäude, die den Stadtteil zum UNESCO-Weltkulturerbe machen. Was nicht auf den ersten Blick erkennbar ist: die neue Mautstation, die sich an der nahen Straße dezent ins Straßenbild eingliedert. Mit der All-in-one-Box hat EFKON eine zukunftweisende Lösung entwickelt, um auch historische Städte mit intelligenten Systemen auszustatten. Damit schaffte es das steirische STRABAG-Tochterunternehmen von 0 auf 100 zum Marktführer in Norwegen.

Kamera mit Machine-Learning-Algorithmen

Das Bahnbrechende am neuen System ist die geballte Technologie im schlanken Design. „Herkömmliche Mautsysteme bestehen aus großen Stahlkonstruktionen, die mit viel Equipment vom Laser bis zum Radar ausgerüstet sind. Das bedeutet einen massiven Eingriff ins Stadtbild“, berichtet Heimo Haub, Head of Sales, Marketing & Business Development bei EFKON. „Unser System kommt mit einer einzigen Komponente aus und lässt sich so hervorragend in den urbanen Raum integrieren.“ Das Herzstück bildet eine hochwertige Kamera, die gleichzeitig Fahrzeuge identifiziert und klassifiziert – und das über zwei Fahrbahnen hinweg und bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h. Dank Machine-Learning-Algorithmen lernt das System stetig dazu und liefert so noch exaktere Ergebnisse bei der Erkennung von Fahrzeugkennzeichen.

Ein Lastwagen fährt unter einer herkömmlichen Mautkonstruktion – die über die gesamte Straßenbreite reicht – in Bergen hindurch. Die Sensor-Box von EFKON ist an einem einzelnen Masten installiert, der neben einer Straße in Bergen steht.
Vorher
Nachher

Vorher und nachher: Im Vergleich zum schlanken, neuen EFKON-System (rechtes Bild) sehen herkömmliche Konstruktionen alt aus. ©ArTo / Fotolia.

Neue Technologie für norwegischen Markt

Diese Vorteile deckten sich mit den Vorstellungen der Norwegian Public Roads Administration (NPRA). Im Auftrag der staatlichen Behörde errichtete EFKON seit Anfang 2019 rund 100 Mautstationen in Bergen und Oslo. Mitte des Jahres folgten weitere Aufträge in den Regionen Nordhordland und Damåsen. „Die Anforderung war, historische Städte mit alter Bausubstanz und großen Nutzflächen mit neuen Systemen auszustatten, die sich harmonisch ins Stadtbild einfügen“, so Haub. „Dies erfüllen wir zu 100 %. Die kompakte Box kann sowohl auf Masten in der Innenstadt wie auf freistehenden Single-Mautbrücken im Vorort montiert werden. Eine einfach zu installierende Lösung, die in Summe auch Kosten spart.

Maut am Fischmarkt: Mit der neuen EFKON-Mautlösung N-FORCE AVT100 ist Bergen fit für die Zukunft. ©EFKON
Malerische Landschaft: Mit seinem weitläufigen Straßennetz ist Norwegen ein Zukunftsmarkt für innovative Mautlösungen. ©EFKON
Maut im ländlichen Raum: Auch an Autobahnen kann die Sensor-Box von EFKON installiert werden. © EFKON

Zukunftslösung für saubere Städte

Was treibt ein steirisches Unternehmen an, in den Norden Europas zu expandieren? „Mautsysteme werden künftig vermehrt in Städten gefragt sein – auch um den Verkehr im urbanen Raum einzudämmen, etwa mithilfe von Umweltzonen“, schildert Haub. „Norwegen hat hier eine Führungsrolle und ist somit einer der spannendsten Zukunftsmärkte für uns.“ Bereits 1985 führte Bergen als eine der ersten Städte Europas eine Citymaut für die Einfahrt in die Innenstadt ein. Bis heute wird eifrig in moderne Infrastrukturprojekte investiert.

EFKON wiederum ist mit 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als internationale Anbieterin von Mautlösungen erfolgreich unterwegs. Ausgehend vom Headquarter in Österreich entwickelt und vertreibt das Unternehmen seine Produkte in Europa, Asien und Afrika. Auf Kundenwunsch werden auch die Installation und der Betrieb der Anlagen angeboten.

Global Player aus der Steiermark

Von Graz in die Welt: EFKON gehört seit 2008 zur STRABAG. Das steirische Unternehmen ist einer der weltweit führenden Anbieter von intelligenten Verkehrssystemen, elektronischen Mautsystemen, Mautüberwachungssystemen und Verkehrs-Telematik-Systemen. Rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für EFKON in circa 20 Ländern aktiv. Dazu zählen Österreich, Belgien, Deutschland, Irland und Norwegen sowie außerhalb Europas Indien, Malaysia und Südafrika.

Rundumservice bis hin zur Wartung

Die Sensor-Box von EFKON in Großaufnahme.
©EFKON

Auch die neueste EFKON-Lösung umfasst weit mehr als die von außen sichtbare Box. Rund ein Dutzend Expertinnen und Experten entwickelten in eineinhalb Jahren ein umfassendes Komplettsystem. „Unsere Kamera macht 30 Bilder in der Sekunde, bewertet diese und wählt das beste zur Weiterverarbeitung aus. Wir haben dazu ein Back-End entwickelt, das der Kundin oder dem Kunden die Daten in Echtzeit zur Verfügung stellt“, so Haub.

Darüber hinaus beinhaltet die Zusammenarbeit einen Wartungsvertrag über acht Jahre, der auf 17 Jahre verlängerbar ist. Die Basis dafür bildet ein einfaches Wartungssystem: Mithilfe elektrisch schwenkbarer Pole kann das Wartungsteam binnen vier Stunden etwaige Schäden beheben, ohne Straßen vollständig sperren zu müssen. Beispielsweise wenn die Kamera am Fischmarkt in Bergen verschmutzt ist und gereinigt werden muss. So ist garantiert, dass das neue EFKON-Mautsystem an allen Standorten reibungslos funktioniert.

Der smarte Knipser

Präzise und schlank: Mit der N-FORCE AVT100 entwickelte EFKON eine wegweisende Mautlösung. Die Fakten zur Sensor-Box auf einen Blick.

  • Kamera: Kamera mit modernem CMOS-Bildsensor, hohem Dynamikbereich und Infrarotblitz – erfasst 30 Bilder pro Sekunde
  • Embedded Machine Vision Engine: Leistungsstarke Bildanalyse direkt in der Box
  • Leistung: Identifizierung, Klassifizierung und automatisierte Nummerntafelerkennung (ANPR) von Fahrzeugen über zwei Fahrbahnen, bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h
  • Sicherheit: Gesicherter Datenzugriff mittels integriertem SAM (Secure Access Module)

Für die Zukunft sieht Haub großes Potenzial – auch abseits des norwegischen Straßennetzes mit seinen über 250 Kontrollpunkten. „Aktuell stellen wir gerade alle unsere Systeme auf die neue Lösung um und bewerben uns damit bei vielversprechenden Ausschreibungen“, erzählt er. Spannende Projekte in ganz Europa stehen ante portas.