Digitaler Betonabruf

Mit der Anwendung IRIS.concrete werden alle Bestellungen, digitalen Lieferscheine und Informationen zur Betonage auf einer Plattform gebündelt. Die zentrale Datenablage ermöglicht allen Prozessbeteiligten Zugriff von überall und zu jeder Zeit. Das spart eine Menge Zeit. Und Funktionen wie das automatisch generierte Betoniertagebuch ermöglichen einen besseren Überblick über die Fortschritte auf der Baustelle.

Ortstermin auf der Baustelle Hauptbahnhof Stuttgart – der Himmel ist tiefblau, die Sonne strahlt. In 12 m Höhe bewegt sich Franz Frick über ein dichtes Netz Tausender Bewehrungseisen, die sich zu einem Trichter verjüngen, der an seiner breitesten Ausdehnung einen Durchmesser von 32 m misst.

Der Polier befindet sich auf einer von 28 sogenannten Kelchstützen. Die riesigen, aber eleganten Betonschalenkonstruktionen sind an ihrer jeweiligen Oberseite geöffnet. Diese sogenannten Lichtaugen werden mit einer Glasfläche verschlossen, sodass Tageslicht in die im Untergrund liegende Bahnsteighalle fällt.

Franz Frick, ein hochgewachsener Schwabe, steht seit mehr als 30 Jahren im Dienst der Ed. Züblin AG. Er deutet auf eine Stahlrinne: „Dort wird der Beton hinunterfließen, und zwar reichlich.“ Bis zu 685 m3 Beton sind für eine Kelchstütze vorgesehen, die Ladung von fast 100 Betonmischfahrzeugen.

Das Einbauen des Betons dauert bis zu 12 Stunden; das verlangt bei der Vorbereitung und Durchführung eine exakte Planung – Beton verzeiht keine Ungenauigkeiten oder Verzögerungen.

Bei der Bestellung, Nachverfolgung und Dokumentation des Baustoffs muss sich Franz Frick mit bis zu zehn Beteiligten abstimmen, zum Beispiel bei der Lieferfirma, beim Betonmischwerk, dem Labor, bei der Bauleitung oder Disposition. „Um Beton zu bestellen, habe ich früher eine Excel-Liste ausgefüllt, abgespeichert und als Anhang per Mail verschickt“, erklärt Frick. Die Disposition trug die Bestellung in ihre Datenbank ein. Das funktionierte zwar, war aber umständlich, zeitaufwendig und beim händischen Übertragen schlichen sich immer wieder Fehler ein.

Solch große und faszinierenden Betonpumpen sieht man auch nicht auf jeder Baustelle. Die Schläuche der Pumpen an diesem Tag waren übrigens bis zu 55 m lang. Um ein Gefühl für die Höhen-Dimensionen zu vermitteln: Auf diesem Foto könnte man das Brandenburger Tor unter die Pumpe stellen.

Dr. Jan Niklas Franzius, Oberingenieur im Bereich Technischer Dienst, Konstruktion & Technologie der Direktion Stuttgart, will das Problem grundlegend lösen:

„Auf unseren Baustellen werden noch immer viel zu viele Daten händisch erfasst. Wir möchten diesem Wildwuchs der Excel-Dateien mit einem einheitlichen, nutzerfreundlichen System begegnen.“

Franzius entwickelte in Zusammenarbeit mit ITC Engineering den „digitalen Betonabruf“, eine Lösung auf Basis der IRIS-Plattform. Ein ähnliches System ist auch für den Bewehrungsabruf in Arbeit. Für die Beton-Logistik auf der Bahnhofsbaustelle Stuttgart 21 nutzen derzeit acht Poliere die IRIS-Plattform. Sie wurde von ITC Engineering programmiert und wird laufend verfeinert. Das Programm „Betonabruf“ bündelt in IRIS alle Aufträge, Auftragsänderungen und Informationen aus dem laufenden Baustellenbetrieb, die sonst einzeln zwischen den an der Beton- Bestellung beteiligten Personen hin- und hergingen. Außerdem liegen alle in IRIS erfassten Daten gesammelt für die Baustellen-Dokumentation vor. Das spart eine Menge Zeit und erlaubt mehr Kontrolle über die Fortschritte auf der Baustelle sowie die Menge der eingesetzten Materialien.

„Der Lieferschein für den Beton liegt mir nun immer auch in digitaler Form vor“, erklärt Franz Frick. „Ich kann jederzeit überprüfen, wie es zum Beispiel um die bestellte und gelieferte Betonmenge pro Tag steht oder wo genau sich die Mischfahrzeuge befinden.“ Die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Fahrzeuge werden ebenso automatisch protokolliert, wie der Beginn und das Ende der Entladung. Diese permanent aktualisierten Daten verschaffen dem Polier einen Überblick in Echtzeit – auch auf Mobilgeräten. „Ich muss nicht erst ins Büro laufen und in den PC schauen“, sagt Frick. „Dadurch frage ich zum Beispiel deutlich weniger per Mail oder Telefon nach.“