Digitales Cockpit

Mit einer Datenzentrale inklusive Webapplikation begleitet ein internationales Team aus IT- und Baustoffprofis die Rohstoffproduktionsbetriebe von STRABAG in die digitale Zukunft. Entwickelt wird dieses Cockpit nach der Scrum-Methode.

Rascher, effizienter, agiler: Dieser Anspruch bestimmt die Arbeitswelt. Doch wie lässt sich das in der Baubranche umsetzen? Das bms (building material solutions)-Team der STRABAG entwickelt dazu eine Datenzentrale für den Bereich Baustoffe bei STRABAG. Sie soll beim Großteil der 566 Baustoffproduktionsbetriebe – von Steinbrüchen über Deponien bis zu Asphalt- und Betonmischanlagen – zum Einsatz kommen. Seit Juni 2019 sind die ersten Module online. Dafür verantwortlich sind viele engagierte Köpfe und eine agile Projektmanagementmethode.

Daten jederzeit mobil abrufen

Das Herz der Datenzentrale ist ein praktisches Webcockpit. Darin werden alle relevanten Informationen aufbereitet und visualisiert. Der Zugriff ist rund um die Uhr und von überall möglich, auch via Smartphone oder Tablet. Das bringt mehr Transparenz: zum Beispiel für die Betriebsleitung, die jederzeit die Zahlen zu Herstellung, Lagerung und Transport ihrer Produkte einsehen kann. Oder für das Management, das von Meldungen zu Freigabeprozessen profitiert. Dank des flexiblen Dashboards kann jede Userin und jeder User selbst entscheiden, was auf dem jeweiligen Startbildschirm zu sehen ist.

Informationspool für Produktionsbetriebe

Die 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des bms-Teams sind in verschiedenen Ländern tätig und kennen die Anforderungen aus der Praxis. „Unsere Produktionsbetriebe nutzen unterschiedliche Softwareprogramme. Bisher war es recht aufwendig, die Informationen zusammenzuführen“, erläutert Gero Mosser, der das Projekt zusammen mit Günther Zweibrot leitet. „Mit der neuen Datenzentrale schaffen wir einen gemeinsamen Pool, der von den Programmen automatisch mit Daten gespeist wird. Diese stehen nun einfach per Klick bereit.“

Das Team für die bms-Datenzentrale steht gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, die das Projekt international unterstützen, vor dem Donauturm in Wien.
Eine gemeinsame Vision: Das Team für die bms-Datenzentrale mit den Kolleginnen und Kollegen, die das Projekt international unterstützen. © STRABAG

Scrum-Methode im Bereich Baustoffe

Neben dem bms-Team arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Baustoffsparten und Ländern, die hauseigene IT-Abteilung und ein externer Softwarepartner an der Entwicklung der Datenzentrale mit. Das Besondere: Bei diesem Projekt wird die Softwareentwicklung nach Scrum erstmals im Bereich Baustoffe in großem Stil angewandt.

Diese in der Baubranche bislang kaum eingesetzte Methode bietet den Rahmen für ein Projektmanagement nach agilen Prinzipien. „Scrum bedeutet eine Entwicklung in kleinen, sich wiederholenden Schritten, bei denen man intensiv mit den Anwenderinnen und Anwendern zusammenarbeitet. Es ist somit genau der richtige Ansatz, um eine moderne Web-Applikation zu entwickeln“, erklärt Günther Zweibrot.

„Scrum hat bei uns eine enorme Begeisterung ausgelöst: Dass die Zusammenarbeit in einem internationalen und interdisziplinären Team so gut läuft, ist nicht selbstverständlich.“

Gero Mosser und Günther Zweibrot
Leiter bms-Team

Die Umsetzung erfolgt schrittweise in sogenannten „Sprints“: Basierend auf den Anforderungen der beteiligten Anwenderinnen und Anwender aus den operativen Einheiten bringt das Entwicklerteam alle drei Wochen ein einsatzfertiges Produkt hervor, das dann bewertet und weiter verbessert wird. Dahinter stehen Werte wie Transparenz, Vertrauen, eine offene Fehlerkultur sowie Selbstorganisation

Wie es gelingt, die Scrum-Methode erfolgreich bei STRABAG umzusetzen, wurde vorab in einem Forschungsprojekt erhoben (siehe Interview mit Leopold Leonhartsberger). Günther Zweibrot zeigt sich vom agilen Projektmanagement angetan: „Viele denken, Scrum-Teams tun einfach nur, was sie wollen. Tatsächlich folgt die Methode einem strikten Ablaufmodell. Das passt sehr gut zu unserem Vorhaben.“

„Agiles Projektmanagement ist überall dort angebracht, wo wir die digitale Transformation vorantreiben möchten.“
Leopold Leonhartsberger
Direktionsleiter Stein und Kies, Mineral Abbau

Vorhang auf: die Rollen bei Scrum

Agile Softwareentwicklung nach Scrum funktioniert nach strengen Regeln und in festen Rollen. Die zentralen Funktionen im Überblick:

  • Der Product Owner ist für den wirtschaftlichen Erfolg des Produkts verantwortlich. Er steht in engem Kontakt mit den Anwenderinnen und Anwendern und legt die zu entwickelnden Produkteigenschaften fest.
  • Der Scrum Master achtet auf das Einhalten der Scrum-Regeln. Dazu zählen fixe Zeremonien wie Daily Stand-ups – 15-Minuten-Meetings, bei denen Tagesaufgaben besprochen werden.
  • Das Entwicklungsteam setzt die Wünsche der Anwenderinnen und Anwender um. In dreiwöchigen Sprints liefert es ein fertiges Produkt. Dieses wird bewertet und kann im nächsten Sprint verbessert werden.

„Das erste Projekt nach dem Scrum-Ansatz erforderte noch einigen Abstimmungsaufwand“, sagt Gero Mosser. Von der Methode ist er aber vollauf überzeugt: „Wir haben viele Kolleginnen und Kollegen mit an Bord, die alle ihre Ideen einbringen. Vor allem die internationale Vernetzung bringt einen großen Mehrwert für das Projekt.“ Und die Umsetzung aller erhobenen Anforderungen schreitet mit großen Schritten voran – natürlich agil und mit Aussicht auf mehr.